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Tension deluxe

In diesem Artikel geht es um zwei Filme, die ich in den letzten Tagen angeschaut habe. Zum einen wäre da Paranormal Activity 2 und zum anderen Buried. Beides nicht gerade Filme, die als Familienunterhaltung Anwendung finden sollten.

Warum ich über diese beiden Filme bloggen möchte liegt daran, dass mich beide Filme äußerst gut und spannend unterhalten haben. Dies schon mal vorweg. Weiterhin kann ich empfehlen sie an einem Abend nacheinander weg zu gucken. Hier empfehle ich zunächst Buried, dann Paranormal Activity 2. Diese Reihenfolge begründet sich meiner Meinung nach aus der Wirkung beider Filme, die ein ähnliches Ziel haben: den Zuschauer besonders auf der Zielgeraden mit voller Wucht zu schocken. Das gelingt Paranormal Activity 2 insg. ein wenig besser, weil dieser Film eher im Dokumentationsstil ohne dramatische Zutaten wie Filmmusik oder besondere Kamerafahrten auskommt.

Aber warum mit Buried beginnen? Aus zwei Gründen. Buried hat nur einen Hauptdarsteller: Paul (Ryan Reynolds). Paul ist wie der Filmname schon sagt “begraben”. Mit ihm in seinem hölzernen Sarg (eher eine schlichte Holzkiste) befinden sich noch ein Handy, ein Feuerzeug und eine Tasche mit Knicklichtern, einem Zettel, einer Taschenlampe und anderen eher unwichtigen Dingen. Das Handy ist Pauls einzige Verbindung zur Außenwelt und schnell wird klar, wie er in die Kiste kam und wer dafür verantwortlich ist. Paul, seines Zeichens Trucker im Irak, wurde von unbekannten Tätern angegriffen und entführt und wird unfreiwillig als Druckmittel für Geld benutzt. Als ob das noch nicht schlimm genug ist muss sich Paul mit diversen Hindernissen in der Kommunikation mit diversen Gesprächspartnern am Telefon auseinandersetzen. Der Akku hält auch nicht ewig, die Luft ist knapp und die restlichen Ressourcen stark begrenzt. Paul schwankt zwischen Panikzuständen, Hoffnung, Hass, Wut und erlebt außerdem so manche menschlich abgründige Situation. Sein Personalchef ist skrupellos, die Entführer erbarmungslos und die Sonderstelle für Entführungen im Nahen Osten plan- und mittellos. Außer ein paar warmen Worten bleibt Paul meistens nichts. Immer wieder wird auf knallharte Weise deutlich: wenn du in so einer Situation bist, bist du wirklich alleine – und bleibst es auch. Den Mitarbeitern der Regierung ist es wichtiger, dass Pauls Video aus dem Sarg nicht an die Öffentlichkeit gelangt statt Lösegeld zu zahlen (wobei nie klar wird, ob eine Lösegeldzahlung wirklich Pauls Rettung bedeuten würde). Obendrein hat Paul im Sarg noch so manchen anderen Konflikt, welcher die Stimmung zusätzlich verschlechtert.

Buried legt also eine hoffnungslose Situation zu Grunde und lässt den Zuschauer immer wieder neue emotionale Zustände mit Paul durchleben. Das ändert nichts daran, dass es ein Ende gibt, dass man erst einmal verdauen muss, weil der Film in den letzten 120-180 Sekunden noch mal richtig Fahrt aufnimmt. Unter dem Eindruck der letzen Szene ertönt dann im Abspann eine relaxte Latinomucke. Der Zuschauer starrt bedient auf die Flimmerkiste.

    Trailer:

Ok, nach der ersten Gefühlsachterbahn weiter mit etwas Paranormalem…: Paranormal Activity 2.
Wie führt man etwas fort, was in seiner Art und Weise der Urform schon krass genug war? Entweder man macht eine Realverfilmung und setzt das Projekt gehörig in den Sand (vgl. Blair Witch 2) oder man zieht die Daumenschrauben auf dem bereits begangenen Weg noch einmal sinnvoll an. Bei Paranormal Activity 2 ist dieser Schritt sehr gut gelungen. Paranormal Activity 2 ist das Prequel und Sequel zu Paranormal Activity zugleich. Die Geschichte entspinnt sich einige Wochen vor den Geschehnissen des ersten Teils. Das ist wichtig, damit man sich nicht wundert, warum die Darsteller aus Teil 1 ab und zu putzmunter durch die Szenerie springen.
Die Hauptdarsteller des zweiten Teils sind eng an die des ersten Teils gebunden, da -wie sich rausstellt- Katie aus Teil 1 die Schwester von Kristi aus Teil 2 ist. Teil 2 handelt von Kristi, ihrem Mann Daniel und ihren Kindern Ali und Hunter. Daniel ist wie Micah in Teil 1 ein großer Camcorderfreund und filmt sein neues Heim akribisch von oben bis unten und macht immer wieder gestellte Interviews mit seinen Angehörigen.

Teil 1 zu kennen ist nicht unbedingt Voraussetzung um Teil 2 zu verstehen, aber es empfiehlt sich sehr Teil 1 gesehen zu haben, umso größer ist der “Thrill” der sich aus den Wendungen der Handlung in Teil 2 ergibt, auch weil Teil 2 kurzzeitig zum Zeitpunkt von Teil 1 spielt. Wir erfahren in Teil 2 etwas hintergründiger, was es mit den Angstzuständen von Katie und Kristi in deren Kindheit auf sich hatte. Und in einer kurzen Sequenz mit Ali, Kristis Tochter, erfährt man, dass das ganze Übel vermutlich schon viele Jahre zurück reicht. Ein feiner Zug der Macher, die so versuchen dem Film trotz begrenztem Setting noch mehr Breite zu geben.

Paranormal Activity 2 wirbt vorweg in Trailern mit “mehr Charakteren, mehr Kameras”. Dies sind vor allem die Pluspunkte des Films aus denen er die meiste Spannung zieht. Begnügte man sich in Teil 1 mit nur einer Kamera, so sind es in Teil 2 gleich ein halbes Dutzend mehr. Dies leigt daran, dass sich Daniel nach den ersten unerklärlichen Vorfällen im Haus (Verwüstung, Verdacht auf Einbruch) eine mehrteilige Kamera-Anlage im Haus installieren lässt, die er vom Computer aus überwachen kann. Alles im Haus wird 24 Std. am Tag und in der Nacht (per Nachtsicht) aufgezeichnet. Das sind wunderbare Zutaten, die zeitweise nervenzerfetzende Spannung erzeugen, wenn die Überwachungskameras die paranormalen Vorgänge im Haus aufzeichnen. Teilweise passiert gefühlt minutenlang nichts, dann fällt hier mal ein Bratpfanne herunter, öffnet und schließt sich eine Tür wie von Geisterhand oder ein Schatten bewegt sich durch den Raum. Stets begleitet von einem unterschwelligen Brummen, was die fremde Präsenz ankündigen soll. Spätestens als der eher konservative, rational denkende Daniel von seiner panischen Tochter Ali auf die unglaublichen Szenen der Videoüberwachung hingewiesen wird, verliert die paranormale Präsenz ihre Zurückhaltung und schlägt auch am Tage zu, vor laufenden Kameras. Paranormal Activity 2 eignet sich deshalb als Nachfolgehappen zu Buried weil zunächst für 10-15 Minuten Belangloses passiert und man “runter kommen” kann. Diese kurze Verschnaufpause ist dringend nötig, denn schon Paranormal Activity hatte bekanntlich kein Happy End. Warum sollte es bei Teil 2 anders aussehen? Nicht zuletzt während der letzten -wirklich im Wortlaut gnadenlosen- Szenen von Teil 2 klappt einem echt die Kinnlade runter. Der Kreis schließt sich. Die Kameras halten munter drauf. Wer mit einem schönen Bauchkribbeln ins Bett gehen möchte, guckt das abends!

    Trailer:

Heute muss die Vuvuzela draußen bleiben.

Stell Dir vor, Freitagmittag – ein Stadion irgendwo in Südafrika. Du bist eine Vuvuzelatröte in der Hand eines Einheimischen oder eines anderen dort anwesenden Fans  und möchtest ein Stück zur WM Atmosphäre beitragen. Du gehörst seit dem ersten Spiel dazu, Du bist der akustische Wiedererkennungswert dieser WM, denn nach fast der Hälfte der Spiele der ersten Runde bleibst vor allem Du in den Köpfen der Leute hängen.

Die meisten Menschen, die Deinem Ton lauschen (müssen) und dabei Fussball gucken, sind allerdings sehr weit von Dir entfernt. Und die, die sich an Dir stören erst recht. So weit weg, dass diese Menschen sogar auf einem anderen Kontinent leben. Und weil Du und der Fussball, also Ihr so weit weg seid, ist die einzige Möglichkeit der WM irgendwie beizuwohnen gleichzeitig die liebste Beschäftigung der Menschen auf der anderen Seite des Meeres: das Fernsehgucken. Und genau das verhagelst Du ihnen gerade.

Zu laut seist Du, wie ein Bienenschwarm würdest Du klingen, jedes Spiel würde sich gleich anhören (!) – und das würde dazu führen, dass fast alle Vorrundenspiele gleich schlecht sind. Denn der Europäer z.B. ist ganz anderes gewohnt: nämlich Sprechchöre.. “schalalala” und so. Das klingt zwar auch immer gleich, ist aber eben kein Bienenschwarm. Da hast Du wenig zu sagen. In den großen Boulevardblättern haben sie schon gegen Dich abgestimmt. 200.000 waren für eine Petition gegen Dich. In den Menschen von der anderen Seite des Meeres keimte wohl so etwas wie nostalgischer Kolonialgedanke auf, als könnten sie und ihre Nachbarn wie vor 100 Jahren bestimmen, was Du hier unten machen darfst und was nicht. Dabei bist Du doch ursprünglich auch ein Fremder im eigenen Land, importiert aus Asien.

Und da es heutzutage mit Einmarschieren und Kriegmachen ja glücklicherweise  schon längst vorbei ist, sprachen die Menschen mit der Fussballchefs der FIFA und die sagten: man wolle Dich nicht verbieten. Punkt. Außer Du würdest auf’s Spielfeld geworfen werden. Das ist doch ein Erfolg, denkst Du dir. Wer lässt sich schon gerne werfen?

Wären da nicht so gewiefte Sportmoderatoren des nachts um halb zwölf z.B. im Ersten Deutschen Fernsehen, die mit einem kleinen Haufen anderer Witzfiguren bestehend aus B und C Prominenz des deutschen Fussballs und einem albernen Fernsehclown an einer Art Stammtisch sitzen. Nennen wir es mal Waldi’s WM Club. Oh, so heißt es ja wirklich. Was sich zunächst wie der Name eines Hundebordells anhört, soll eine kritisch/witzige Aufarbeitungsrunde zu aktuellen Themen der WM sein. Und weil Alphamännchen Waldi ja so herrlich kritsch-witzig von Dir spricht, denkst Du Dir: Genau das richtige zum Einschlafen. Doch Stopp! Hat der eben wirklich appelliert, man möge Dich bitte doch auf’s Fussballfeld werfen, damit Du aus den Stadien rausfliegst. Ach Du meine Güte, war das ein Aufruf zu Gewalt im Fernsehen, womöglich könntest Du einen Spieler treffen, nicht auszudenken. Du denkst Dir, das kann doch nicht wahr sein, aber schließlich bist Du solch hohle Phrasen aus dem deutschen Sportfernsehen ja schon gewohnt: hat sich doch unlängst auch Waldis Kollegin Katrin Müller-Hohenstein im Ton vergriffen.

Und weil nun all diese plumpen Versuche Dich wegzuekeln nichts bringen, bauen die Fernsehsender jetzt einen Filter für Dich in ihr Programm ein. Und so musst Du draußen bleiben. Na ja, fast zumindest. “Das Erste” will neben “Sky” mal einen Versuch wagen Dich digital über SAT und Kabel auszusperren. Über TVBT und allen anderen analogen Empfangsarten bleibst Du den Menschen erhalten. Genauso, wie Du (vorerst) im Stadion erhalten bleibst – bis es auch für Dich heißt: Flieger grüß’ mir die Sonne.

(K)Ein Sommermärchen.

Eigentlich könnte man sich als Mitglied der deutschen Politikelite dieser Tage nichts Schöneres vorstellen, als das was Funk, Fernsehen, Print- und Onlinemedien momentan auf’s Volk abfeuern. Die politische Sommerpause scheint in Gefahr, denn man ist in aller Munde. Keine Woche vergeht mehr, ohne das man es nicht ein mal auf die Titelseite einer Gazette geschafft hat. Und dabei sind die politischen Schauplätze gerade vor und während der zu allem Unglück auch noch gleichzeitig stattfindenden Fussball-WM, weit gesät. Ob Berlin (Bundesregierung, Bundespräsidentenwahl, Sparpaket), Nordrhein-Westfalen (Landtagswahl) oder Niedersachsen (Wulffnachfolge, Diätenerhöhung), das leuchtende Auge der Presse späht momentan erfolgreich quasi ein mal quer durch Republik.

Doch leider hat dieser Umstand einen ganz groben Schönheitsfehler: es sind mitnichten gute Nachrichten, die von den Hauptschauplätzen dieses Märchens zu uns hinüber dringen. Im Gegenteil. Das Märchen löst sich langsam auf und weicht der beinharten Realität, die uns die Presse mit all ihrer Macht in den letzten Wochen auftischt. Neben der Fussball-WM haben sich die Presseorgane auf die politische Führung und die beteiligten Fortsätze eingeschossen und der Konsument hat momentan alle Mühe einen objektiven Überblick über den offensichtlichen “Krisensalat” zubekommen. Beileibe, es wird ihm nicht gelingen, denn – Gott sei Dank möge sich so manch einer in Berlin und andernorts denken – die Krisenherde sind so verzwickt, vertrackt und multikausal, dass die ernsthafte, objektive Verfolgung und Rekonstruktion durch den 08/15 Bürger ohne zeitraubende Lektüre kaum möglich ist.

Dabei liegt hier die große Gefahr: durch Vereinfachung und gefährliches Halbwissen könnten Verhältnisse entstehen, die das Tor für populistische und extreme Stammtischparolen weit aufstoßen, da sich der Bürger vor lauter Multikausalität aus Überforderung und Bequemlichkeit in die vermeintliche Klarheit und Einfachheit der Boulevardblätter flüchtet. Das tun natürlich längst nicht alle, doch die Situation ist mehr als einladend dafür. Das Problem ist arg hausgemacht: so haben sich Bundes- und Landespolitiker über Jahrzehnte ein politisches Konstrukt gewoben, was heuer offensichtlich mehr denn je durchsetzt ist von Machthunger, Beziehungen, finanziellen und/oder rein persönlichen Interessen. Dass das Volk keinen wirklichen Eindruck mehr von transparenter Politik hat und das Vertrauen in die großen Parteien, gar in die Politik an sich weiter schwindet, dürfte sich u.a. auch damit zumindest teilweise begründen lassen.

Lena, v. d. Leyen, Gauck oder Wulff?

Über den Rücktritt von Horst Köhler ist in den letzten Wochen genug geschrieben worden. Schade genug ist es, war er doch im Volk sehr beliebt und geschätzt. Nun giften Politiker auf die Presse, sie haben mit Respektlosen Unterstellungen den Rücktritt ausgelöst. Ein Berliner Radiomoderator wird gar als Auslöser gehandelt, weil Köhler ihm das “Skandalinterview” zum Afghanistaneinsatz gab. So manch’ ein Journalist mag sich feixend die Hände gerieben haben, als sich die Worte ” (…) dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege (…)” zunächst mit leisem Beginn, dann aber wie ein Lauffeuer über Agenturen und Internetdienste verbreiteten. Wer die menschliche Natur kennt weiß, dass am und nach dem 31. Mai diesen Jahres der ein oder andere Schreiberling deutlich die Bodenhaftung verloren hat. Die Presse hat etwas Großes bewegt, egal ob es positive oder negative Auswirkungen hat – das Gefühl von Macht war doch zu köstlich. Erst wer geneigt ist weiter zu schauen, der kann hier und dort lesen, dass Köhlers Rücktritt weit vorher schon begünstigt wurde. Im Bundespräsidialamt soll es in den letzten Monaten einschneidende Personalwechsel in sensiblen Bereichen gegeben haben. Im Herbst 2009 bekam Köhler gar einen neuen Präsidialamt-Chef: Staatssekretär Hans-Jürgen Wolff. Das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” findet im Heft 23/2010 deutlich kritische Worte über die Neubesetzung, habe Wolff doch maßgeblich zum sich stetig steigernden Misstrauen Köhlers gegenüber der Presse beigetragen. Nun denn. Köhler ist Geschichte und am 30. Juni wird ein neuer Präsident gewählt.

Kurz nach Köhlers Rücktritt wurden große Namen durch die politische und mediale Landschaft getrieben. Gar von Wolfgang Schäuble war die Rede, Lena Meyer-Landrut wurde gefordert – leider besaß sie noch nicht das passive Wahlrecht. Für einen Tag wurde ernsthaft Ursula von der Leyen als Nachfolgekandidatin der Union gehandelt. SPD und Grüne schüttelten einen Riesen-Cuop aus dem Ärmel: Joachim Gauck, den bis dahin niemand so richtig auf der Liste hatte. Gauck fühlte sich geschmeichelt und -ZACK- wurde er zum “Präsident der Herzen“. Wirklich nützen tut dies der SPD hingegen momentan nicht, stagnieren ihre Umfragewerte bei 26%, während die Grünen klar zulegen können. Die Linken schicken (die eigentlich immer bedeutungsloser werdende) Luc Jochimsen ins Rennen. Ja und die FDP? Die FDP hat wieder niemand gefragt. Als Angela Merkel schließlich Christian Wulff als Kandidaten bestätigte und von der Leyen nach eintägiger Berühmtheit betrübt aus dem Rennen schied, war der ein oder andere Liberale recht verknartscht und sprach Joachim Gauck seine Sympathien aus. Schließlich hatte die böse Chefin ja auch das Wahlversprechen der FDP (Steuersenkungen, “Mehr Netto vom Brutto”) nach der NRW-Wahl dramatisch neutralisiert und Gesundheitsminister Philipp Rösler war mit seiner Gesundheitsprämie bei der Union abgeblitzt. Das nachfolgende  Gewitter der verbalen Entgleisungen in der Regierungskoalition ist fast schon bühnenreif. Der Bürger hingegen fühlt sich von dem Berliner Kasperletheater besser unterhalten, als von den überwiegend langweiligen Erstrundenbegegnungen der Fussball-WM. Dass auch hier hinter der Präsidentenfrage eiskaltes Machtkalkül stecken soll, realisiert er in der aktuellen politischen “Krisenflut” gar nicht so schnell. So wird auch gemunkelt, dass Merkel ihr letztes großes, sympathisches Zugpferd aus Hannover auf den Präsidentenstuhl lobt, damit sie in der Politik keiner echten Gefahr aus den eigenen Reihen mehr ausgesetzt ist. So würde sie auch in Krisenzeiten die schillernde, die einzige charismatische Unionsfigur bleiben. Denn Merkel weiß: bisher haben die ernsten politischen Gegner SPD und Grüne kein wirkliches Zugpferd für die Bundestagswahl 2013. Und Wulff war nach dem Abtritt von Roland Koch einer der letzten, wenn nicht gar der letzte Große der Union. Merkel selbst und ihre Regierung sinken fast täglich weiter in den Umfragewerten.

Sparpaket hier, Diätenerhöhung dort?

Genauso brilliant abgehoben, wie die derzeitige Posse in Berlin sind die beschlossenen Diätenerhöhungen der niedersächsischen Landtagsabgeordneten zum Zeitpunkt des Beschlusses eines Milliarden-Sparpaketes mit großen Einschnitten im Sozialbereich. Unglücklicher und realitätsfremder geht es momentan wirklich kaum. Als reiche das nicht demonstrieren die Mitglieder der Regierungsparteien alles andere als Einigkeit, wenn es um’s Sparpaket geht. In Stuttgart und Berlin gehen die Menschen auf die Straße, weil ihnen als Hartz-IV Empfängern das Kindergeld und Heizkostenzuschüsse gestrichen werden. Während Jean-Claude Juncker noch einen “Ruck zur Konsolidierung” lobt, kritisieren DGB und ver.di das Paket als falsch und unsozial. Für jeden Deutschen kommt es halt auf die Perspektive an. Das Deutsche Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) geht sogar noch weiter und sieht in den sich verschärfenden sozialen Gegensätzen eine “Gefahr für die Stabilität der Gesellschaft”. Das sitzt. Denn eine stabile, moderne deutsche Gesellschaft kann den Versuchungen extremer links- oder rechtsradikaler Parolen konsequenter widerstehen. Ganz abwegig ist diese Befürchtung nicht. Politikverdrossenheit und soziale Ungerechtigkeit bilden mit dem Mangel an politischen Alternativen nicht gerade den Nährboden für eine hohe Wahlbeteiligung bei Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahlen. Zudem zeigen aktuelle Wahlergebnisse aus den Niederlanden, dass Rechtspopulisten leider durchaus an die politische Spitze gewählt werden können.

Doch zum Glück für den gibt es ja dieser Tage für den 08/15 Bürger die Fussball-WM. Da kann er sich von der ganzen Miesmacherrei, den Schlammschlachten und Ungerechtigkeiten mental entfernen und hoffen, dass die Damen und Herren in Berlin, Hannover und anderswo den Karren wieder in den Griff kriegen, den sie laut Presse momentan ja voll gegen die Wand fahren. Das Niveau der Spiele ist allerdings überwiegend genauso unterirdisch, wie das des Theaters in Berlin.

(Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass dieser Blog-Artikel mein rein subjektives Empfinden widerspiegelt und der allgemeinen Unterhaltung dienen soll und ausdrücklich nicht politisch motiviert ist. Sämtliche Zitate, Äußerungen oder Sachverhalte können bei Bedarf auf den entsprechenden Nachrichtenportalen nachgelesen werden.)

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