Einsortiert unter Geld

Der Kraftstoffwahn – Casinofeeling an den Börsen

Na?! Letztens auch über die Spritpreise an der Tanke geärgert?

Ich habe mich auch geärgert. Und nun bin ich sicher, es war den Ärger nicht wert. Spart euch die Puste.

Für später. Denn es kommt noch ganz dicke. Und damit meine ich nicht die irren Ideen aus dem EU-Parlament, die Mineralölsteuer bei Dieselkraftstoff um 26 Cent/Liter zu erhöhen. Nein, damit meine ich das, was in den nächsten Jahren auf uns zu kommen wird, wenn es nach den Prognosen der Rohstoffanalysten der großen Banken geht. Und nein, 2011 oder 2012 wird nicht der Ölhahn zugedreht, es ist noch genug für alle da und ja, wir alle wissen, dass das Öl irgendwann in absehbarer Zeit versiegt sein wird. Aber bis dahin wird mit Sicherheit noch einen ganze Stange Geld damit verdient im ganz großen Stil auf Rohölpreise zu wetten.

Gut, aber was treibt den Spritpreis eigentlich so an? Betrachtet man die nachfolgende Grafik, so setzt sich der Preis aus verschiedenen Teilen zusammen.

Grün: Steuern
Hier sind Mineralölsteuer, Ökosteuer und ein anderen, kleinerer Betrag, sowie 19% Mehrwertsteuer enthalten. Der Unterschied von Diesel zu Benzin beträgt hier rund 18 Cent. D.h. der Steuervorteil bei Diesel liegt pro Liter bei besagten 18 Cent. Der Endverbraucher merkt davon momentan wenig. Die Marge liegt aktuell zwischen 9 und 11 Cent im Endpreis, wenn man Diesel und Superbenzin vergleicht. Wo sind die übrigen 7 bis 9 Cent Steuervorteil hin?

Weiss: Produktbeschaffungskosten = Produktenpreis
Sie fließen über Rotterdam in die Taschen von Spekulanten. Im März wies die Finacial Times Deutschland auf einen Rekordwert bei Wetten auf Rohöl hin. Die Preise für Rohöl waren innerhalb eines Monats um 24% gestiegen.
Der VIK Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft e.V. sieht außerdem einen langfristigen Aufwärtstrend beim Rohölpreis, der wiederum u.a. auch von Spekulanten gemacht wird.

Orange: Deckungsbeitrag
In der Regel wird hiermit ein Teil des Spritpreises gemeint, den der Verkäufer erhebt um laufende Kosten zu decken und Gewinn zu erzielen. Gemeinhin gilt dieser Wert im Spritpreis als der, welcher von den Mineralölkonzernen direkt kurzfristig beeinflussbar ist. Ähnlich wie bei anderen Franchiseunternehmen, werden Tankstellen in der Regel gepachtet. Der Pächter verdient pro verkauftem Liter Sprit Provision. Das sind lt. Focus Magzin meistens nicht mal Centbeträge. So lässt sich auch erklären, warum Clever-Tanken z.B. im Stadtgebiet Oldenburg Aral-Tankstellen auflistet, die zur selben Zeit mehrere Cent Preisunterschied aufweisen.

Was unter’m Strich bleibt ist ein stetig steigender Spritpreis, der sowieso immer zu teuer ist. Die Bürger rufen nach einem Einschreiten der Politik, welche sich aber eher in Richtung der Börsenspekulanten brüskiert (was grundsätzlich ja richtig ist), statt am Steuersatz zu rütteln, was angesichts der tgl. Steuereinnahmen pro verkauften Liter Treibstoff ja nur verständlich ist. Dieser Satz ist momentan konstant und nicht verantwortlich für die momentanen Preissteigerungen. Aber wer reguliert die Spekulanten, darunter vor allem die Hedge-Fonds? Das tut in Europa die EU. Liest man hier im Artikel des “Handelsblatt” nach und vergleicht den Satz “Die EU kommt mit der Regulierung von Hedge-Fonds dem Beschluss der G20-Länder nach, als Lehre aus der Finanzkrise alle Finanzmarktteilnehmer und -produkte Regeln zu unterwerfen.” mit dem Artikel der Financial Times Deutschland, so kommt einem schlagartig die Galle hoch.

Die Politik zieht die Lehren, die Hedge-Fonds streichen weiter die Gewinne ein. Aus unserer Tasche.

Dioxin: Skandal oder die Frage “Was bist Du (Dir) wert?”

Mir kommt hier echt das kalte Grausen. Seit kurzem werden wir regelmäßig mit neuen Skandalmeldungen über zu hohe Dioxinwerte in Lebensmitteln überschüttet. Dioxin, ein Stoff der heutzutage fast überall in der Natur zu finden ist, vor allem in organischen Lebewesen, wo es sich im Fettgewebe ansammelt, weil es nur schwer bzw. langsam verstoffwechselt und ausgeschieden wird. Wie bei so vielem was tödlich ist, entscheidet die Menge / Konzentration des Giftes über dessen Toxizität. Grundsätzlich: Dioxine sollen krebserregend sein und weitere schwere, gesundheitliche Störungen auslösen – bereits in kleinsten Mengen.

Gut, das gehört denke ich mal nicht zum Allgemeinwissen, auch ich hab dieses mal bei wikipedia nachgelesen, auch erst aus gegebenem Anlass. Was mich persönlich allerdings so unglaublich fassungslos macht, sind die skrupellosen und dreisten, regelrecht verantwortungslosen Machenschaften der Industriebetriebe (momentan ist ja “nur” einer bekannt), die jüngst zur “Verfeinerung” von Futtermittel für Hühner und anderes Getier dioxinhaltige Fette verwendet haben. Diese Fettarten waren bei der Treibstoffherstellung angefallen und sollten tatsächlich gewinnmaximierend weiterverarbeitet werden – und zwar in der menschlichen Nahrungskette.

Als das ganze Anfang Januar aufflog fiel der besagten Firma “Harles & Jentzsch” nichts anderes als folgendes Statement ein:

Wir waren leichtfertig der irrigen Annahme, dass die Mischfettsäure, die bei der Herstellung von Biodiesel aus Palm-, Soja- und Rapsöl anfällt, für die Futtermittelherstellung geeignet ist…

Leichtfertig hatte man tausende Tonnen (!) solchen Futtermittels erzeugt. Jahrelang. Dass wir alle rein theoretisch schon in den “Geschmack” dieser “Spezialität” gekommen sein könnten, muss jedem ab sofort klar sein. Zudem zeiht zumindest bei mir die Nummer der “Treu-Doofen-Industriefirma vom Land” keineswegs. Jemand, der so schlau ist Restprodukte / Abfallprodukte der Primärproduktion weiterzuverwerten, der wird sich im Jahre 2011 sicherlich auch über mögliche Risiken dieser Maßnahmen im Klaren sein. Vor allem, wenn Restprodukte potentiell toxisch für menschliches Leben ist. Und vor allem, wenn man versucht Prüfer auszutricksen. Allein der Gedanke, Hühner und Schweine müssten das fressen, was vorher noch bei der Dieselherstellung abqualmte, erfüllt mich mit Ekel. Doch das viel Schlimmere ist doch, dass in ganz großem Stil Menschen auf diese Art und Weise gefährdet wenn nicht gar vergiftet werden. Wir brauchen hier nicht die Diskussion über Ab- und Treibhausgase anfangen, das ist noch ein ganz anderes Thema. Dieser Giftskandal betrifft viele, wenn nicht alle Deutschen unmittelbar (!).

Unlängst rief ein niedersächsischer Radiosender seine Hörer bei einer Umfrage dazu auf, sich zu überlegen, ob der Verbrauchen mit seinem Konsumverhalten auch ein wenig mit schuld sei an diesem Skandal. Als ich das hörte, wollte ich zunächst die geistige Gesundheit des Moderators in Frage stellen. Doch im Prinzip ist diese Frage zumindest im Kern berechtigt. Treibt der Preiskampf der Märkte und der Sparwille des Verbrauchers die Industrie in diese Handlungssituationen? Muss immer billiger produziert werden, weil für die breite Masse immer weniger Geld zum Ausgeben vorhanden ist? Ist dieser Skandal vielleicht ein Hausgemachter, wo aber neben den unmittelbar Verantwortlichen nicht vielleicht auch die Politik mit zur Verantwortung gezogen werden muss? Ist der Skandal vielleicht ein Spiegelbild unserer durch Raffgier und Existenzangst geprägten Gesellschaft? Eine Gesellschaft, in der es möglich ist aus profitorientierter Motivation heraus Gift in die menschliche Nahrungskette zu mischen. Tonnenweise. Über Jahre.

Armes Deutschland.

Alles andere als folgenreich.

Ende Mai diesen Jahres veröffentlichte ich an dieser Stelle einen Artikel über die Hörspielserie Gabriel Burns (im Weiteren “GB”), in dem es vor allem um die seit Jahren unbefriedigende Veröffentlichungsrate und die Querelen zwischen Produktionsfirma und Label ging.

Zwischenzeitlich ist im Juli dann auch mal Folge 35 erschienen, der zweite Teil einer inhaltlichen Doppelfolge, welche vom Label als zwei Einzeilfolgen verkauft wurden. Zwar sind viele Fans der Meinung, dass diese “Indien-Geschichte” eine der besten war, die je bei GB erschienen ist, jedoch kann die jetzt wieder eingetretene Phase der absoluten Stille rund im dieses Hörspiel nur wieder dazu dienen, ein Auge auf das alte “Problem”, die mangelhafte Outputrate, zu werfen.

Als Ausgangspunkt dieses Blickwinkels sei wieder die aktuelle Ausgabe der Sprechstunde mit Volker Sassenberg (im Weiteren “VS”) genannt.

Auf Nachfrage des Users “cthulhu” zu noch geplanten GB-VÖs äußert sich VS wie folgt:

Ich gehe davon aus, dass dieses Jahr bis zu vier Folgen erscheinen werden, allerdings gibt es bislang seitens der Firma Universal noch keinen Auftrag für weitere Gabriel Burns-Folgen.

Bisher sind dieses Jahr die Indienfolgen erschienen (34 & 35), welche sich fast passgenau im Ryhthmus seit 2008 bewegen. Dementsprechend wäre die nächste VÖ dann Ende November / Anfang Dezember 2010 in Aussicht. Hiermit würde sich GB wie bekannt im “normalen” folgenreichen Rythmus befinden, der “bis zu” 4 Folgen pro Jahr versprechen sollte. Aber mal ehrlich: das klingt seit Jahren (!) eher nach dem DSL Marketing Nepp alá “bis zu 16.000 kBit/s”. Dass “bis zu” 4 Folgen pro Jahr erscheinen, kann automatisch auch bedeuten, dass nur eine oder zwei, oder eben die üblichen 3  Folgen pro Jahr erscheinen.

Nun gut, da steht also der Kunde mit seinen Wünschen und Erwartungen und ist am Ende der Konsumkette der Leidtragende. Wer nachfolgendes Zitat von VS nimmt und eins und eins zusammenzählen kann, mag sich zudem bzgl. des “Zustandes” der Produktionsfirma sein übriges denken:

So, wie wir aktuell aufgestellt sind, können wir allerdings nicht links und rechts denken. Wir warten mal die Zukunft ab…

Der große Druck, der auf der Serie liegt begründet sich mit den Augen eines Außenstehenden wohl darauf, dass eine Serie die jahrelang mit 6 Folgen pro Jahr auf hohem, wenn nicht gar auf höchstem Niveau funktionierte, auch mit 3 Folgen pro Jahr mit offensichtlich abgespecktem (finanziellen?) Background funktionieren muss, ohne dass die Qualität leidet. Eine Serie, die eine epische Handlung aufweist, wo nicht jede Folge in sich geschlossen ist, sondern die davon lebt, dass sie kontinuierlich erzählt wird, eine solche Serie geht doch den Bach herunter, wenn man bei genau diesen Kriterien den Rotstift ansetzt. Dass hier Produktionsfirma und Label (Verwerter) zwei Paar Schuhe sind, ist mir als Kritiker dieser Situation vollends klar. Das Geld für neue Folgen kommt schließlich vom Verwerter, der neue Folgen in Auftrag gibt, die gleichzeitig in der Produktionsfirma in den Startlöchern stehen.

GB ist mit Folgenreich bei einem riesigen Unternehmen untergekommen. Bei den “Specials” (vorwiegend aus dem Jahr 2005) gewinnt man den Eindruck, als wollte man GB damals mit großer Medienwirksamkeit in der Öffentlichkeit bekannt machen. Zu Recht, aus meiner Sicht, denn dieses außergewöhnlich gute Hörspiel verdient meiner Meinung nach auch eine Menge Aufmerksamkeit.

5 Jahre und knapp 30 Folgen später ist aus der riesigen PR-Maschinerie ein dahin dümpelnder Webauftritt und ein labelverwalteter Facebookaccount geworden, der sage und schreibe 723 Leuten “gefällt”. PR geht jetzt billig, vor allem übers Internet. Die letzten, inhaltsbezogenen News des Labels zur Serie dort sind vom 14. Juni 2010. Darauf folgte ein Videohinweis auf ein Interview mit VS bei “Die Hörspiel 2010″, sowie ein Link zu einem eher nichts sagenden Artikel aus dem Bonner Generalanzeiger. Wer dann zufällig auf der Seite “Specials” (s.o.) hängenbleibt, der muss feststellen, dass sich Pressetechnisch seitens des Labels zwischen April 2008 und September 2010 rein gar nichts getan hat, was veröffentlichungswert war. Öffentlich wirksame PR zur Ankurbelung der Verkaufszahlen sieht in meinen (naiven?) Augen irgendwie anders aus. Wo bleiben Podcasts, Gewinnspiele, Aktionen? Der Folgenreiche Shoplink verweist statt zum Internetshoppingportal amazon.de lieber zu einer beliebigen, undefinierten “Bravado” Hauptseite. Eine Menge solcher PR Aktionen gehen eher von der GB Fanpage (experiement-stille.de) aus. Doch nicht jeder Konsument ist dort organisiert.

Schon Anfang September hieß es im Experiment-Stille Forum (via User “Brig”):

Hach je, nun wird´s wirklich Zeit für eine neue Folge!! Meinen fahlen Freunden geht der Diskussionsstoff aus

Dieser Satz beschreibt genau das Grundproblem. Will man ein Produkt erfolgreich verkaufen, muss es im Gespräch sein und bleiben. Genau das passiert mit GB seit Jahren nicht mehr. Bedenklich, wie ich finde.

Man kann den Machern von GB und der Marke nur jegliche Energie wünschen, sich aus den “Fängen” dieses “Labels” zu befreien, damit vielleicht irgendwann mal bessere Zeiten anbrechen.

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