Ende Mai diesen Jahres veröffentlichte ich an dieser Stelle einen Artikel über die Hörspielserie Gabriel Burns (im Weiteren “GB”), in dem es vor allem um die seit Jahren unbefriedigende Veröffentlichungsrate und die Querelen zwischen Produktionsfirma und Label ging.
Zwischenzeitlich ist im Juli dann auch mal Folge 35 erschienen, der zweite Teil einer inhaltlichen Doppelfolge, welche vom Label als zwei Einzeilfolgen verkauft wurden. Zwar sind viele Fans der Meinung, dass diese “Indien-Geschichte” eine der besten war, die je bei GB erschienen ist, jedoch kann die jetzt wieder eingetretene Phase der absoluten Stille rund im dieses Hörspiel nur wieder dazu dienen, ein Auge auf das alte “Problem”, die mangelhafte Outputrate, zu werfen.
Als Ausgangspunkt dieses Blickwinkels sei wieder die aktuelle Ausgabe der Sprechstunde mit Volker Sassenberg (im Weiteren “VS”) genannt.
Auf Nachfrage des Users “cthulhu” zu noch geplanten GB-VÖs äußert sich VS wie folgt:
Ich gehe davon aus, dass dieses Jahr bis zu vier Folgen erscheinen werden, allerdings gibt es bislang seitens der Firma Universal noch keinen Auftrag für weitere Gabriel Burns-Folgen.
Bisher sind dieses Jahr die Indienfolgen erschienen (34 & 35), welche sich fast passgenau im Ryhthmus seit 2008 bewegen. Dementsprechend wäre die nächste VÖ dann Ende November / Anfang Dezember 2010 in Aussicht. Hiermit würde sich GB wie bekannt im “normalen” folgenreichen Rythmus befinden, der “bis zu” 4 Folgen pro Jahr versprechen sollte. Aber mal ehrlich: das klingt seit Jahren (!) eher nach dem DSL Marketing Nepp alá “bis zu 16.000 kBit/s”. Dass “bis zu” 4 Folgen pro Jahr erscheinen, kann automatisch auch bedeuten, dass nur eine oder zwei, oder eben die üblichen 3 Folgen pro Jahr erscheinen.
Nun gut, da steht also der Kunde mit seinen Wünschen und Erwartungen und ist am Ende der Konsumkette der Leidtragende. Wer nachfolgendes Zitat von VS nimmt und eins und eins zusammenzählen kann, mag sich zudem bzgl. des “Zustandes” der Produktionsfirma sein übriges denken:
So, wie wir aktuell aufgestellt sind, können wir allerdings nicht links und rechts denken. Wir warten mal die Zukunft ab…
Der große Druck, der auf der Serie liegt begründet sich mit den Augen eines Außenstehenden wohl darauf, dass eine Serie die jahrelang mit 6 Folgen pro Jahr auf hohem, wenn nicht gar auf höchstem Niveau funktionierte, auch mit 3 Folgen pro Jahr mit offensichtlich abgespecktem (finanziellen?) Background funktionieren muss, ohne dass die Qualität leidet. Eine Serie, die eine epische Handlung aufweist, wo nicht jede Folge in sich geschlossen ist, sondern die davon lebt, dass sie kontinuierlich erzählt wird, eine solche Serie geht doch den Bach herunter, wenn man bei genau diesen Kriterien den Rotstift ansetzt. Dass hier Produktionsfirma und Label (Verwerter) zwei Paar Schuhe sind, ist mir als Kritiker dieser Situation vollends klar. Das Geld für neue Folgen kommt schließlich vom Verwerter, der neue Folgen in Auftrag gibt, die gleichzeitig in der Produktionsfirma in den Startlöchern stehen.
GB ist mit Folgenreich bei einem riesigen Unternehmen untergekommen. Bei den “Specials” (vorwiegend aus dem Jahr 2005) gewinnt man den Eindruck, als wollte man GB damals mit großer Medienwirksamkeit in der Öffentlichkeit bekannt machen. Zu Recht, aus meiner Sicht, denn dieses außergewöhnlich gute Hörspiel verdient meiner Meinung nach auch eine Menge Aufmerksamkeit.
5 Jahre und knapp 30 Folgen später ist aus der riesigen PR-Maschinerie ein dahin dümpelnder Webauftritt und ein labelverwalteter Facebookaccount geworden, der sage und schreibe 723 Leuten “gefällt”. PR geht jetzt billig, vor allem übers Internet. Die letzten, inhaltsbezogenen News des Labels zur Serie dort sind vom 14. Juni 2010. Darauf folgte ein Videohinweis auf ein Interview mit VS bei “Die Hörspiel 2010″, sowie ein Link zu einem eher nichts sagenden Artikel aus dem Bonner Generalanzeiger. Wer dann zufällig auf der Seite “Specials” (s.o.) hängenbleibt, der muss feststellen, dass sich Pressetechnisch seitens des Labels zwischen April 2008 und September 2010 rein gar nichts getan hat, was veröffentlichungswert war. Öffentlich wirksame PR zur Ankurbelung der Verkaufszahlen sieht in meinen (naiven?) Augen irgendwie anders aus. Wo bleiben Podcasts, Gewinnspiele, Aktionen? Der Folgenreiche Shoplink verweist statt zum Internetshoppingportal amazon.de lieber zu einer beliebigen, undefinierten “Bravado” Hauptseite. Eine Menge solcher PR Aktionen gehen eher von der GB Fanpage (experiement-stille.de) aus. Doch nicht jeder Konsument ist dort organisiert.
Schon Anfang September hieß es im Experiment-Stille Forum (via User “Brig”):
Hach je, nun wird´s wirklich Zeit für eine neue Folge!! Meinen fahlen Freunden geht der Diskussionsstoff aus
Dieser Satz beschreibt genau das Grundproblem. Will man ein Produkt erfolgreich verkaufen, muss es im Gespräch sein und bleiben. Genau das passiert mit GB seit Jahren nicht mehr. Bedenklich, wie ich finde.
Man kann den Machern von GB und der Marke nur jegliche Energie wünschen, sich aus den “Fängen” dieses “Labels” zu befreien, damit vielleicht irgendwann mal bessere Zeiten anbrechen.
Gefällt mir:
Sei der Erste, dem diese(r) Artikel gefällt.