Einsortiert unter Gabriel Burns

Das Ende der (folgenreichen) Tage

Die Katze ist aus dem Sack.

Folgenreich (Universal Music) hat den Gabriel Burns-Vertrag unserer Meinung nach nicht fristgemäß verlängert. Nach unserer Auffassung ist der Vertrag ausgelaufen. Darüber hinaus sind wir aufgrund vieler anderer vorgetragener Tatsachen im Rahmen der gerichtlichen Auseinandersetzungen der Meinung, dass es zu keiner weiteren Gabriel Burns-Veröffentlichung durch Folgenreich kommen wird.

So äußerte sich Volker Sassenberg gestern auf Experiment Stille in der “Sprechstunde”.

Dass offensichtliche Auseinandersetzungen bzw Unstimmigkeiten zwischen Label und Produktionsfirma den Veröffentlichungsrhythmus in der Vergangenheit behindert haben, war immer wieder angedeutet worden, in Fanforen wurde darüber wild spekuliert. Gar das vorzeitige Ende der Serie wurde befürchtet.

Nun bestätigte Sassenberg, dass zeitraubende juristische Auseinandersetzungen den Fortgang der Serie blockieren:

Wenn man mit Justizbehörden zu tun hat, ist man von Zeiträumen betroffen, die einen verzweifeln lassen können. So schlimm es auch für unsere Hörer und für mich ist, dass ich momentan keinen Fortsetzungstermin nennen kann, so kann ich diesen Umstand dennoch nicht beeinflussen.

Zudem nannte er zumindest den Titel von Folge 36 “Das Ende der Tage” und gab kurze inhaltliche Ausblicke.

Da die Kinder- und Jugendhörspielserie “Point Whitmark” – ebenfalls aus Sassenbergs Feder – neuerdings auch nicht mehr bei Folgenreich, sondern über Sony Music erscheint und hier wieder ein regelmäßiger Rhythmus angestrebt wird, besteht berechtigte Hoffnung, dass es in Sachen Gabriel Burns ein goldenes Zeitalter nach Folgenreich geben wird.

Quelle: www.Experiment-Stille.de

Alles andere als folgenreich.

Ende Mai diesen Jahres veröffentlichte ich an dieser Stelle einen Artikel über die Hörspielserie Gabriel Burns (im Weiteren “GB”), in dem es vor allem um die seit Jahren unbefriedigende Veröffentlichungsrate und die Querelen zwischen Produktionsfirma und Label ging.

Zwischenzeitlich ist im Juli dann auch mal Folge 35 erschienen, der zweite Teil einer inhaltlichen Doppelfolge, welche vom Label als zwei Einzeilfolgen verkauft wurden. Zwar sind viele Fans der Meinung, dass diese “Indien-Geschichte” eine der besten war, die je bei GB erschienen ist, jedoch kann die jetzt wieder eingetretene Phase der absoluten Stille rund im dieses Hörspiel nur wieder dazu dienen, ein Auge auf das alte “Problem”, die mangelhafte Outputrate, zu werfen.

Als Ausgangspunkt dieses Blickwinkels sei wieder die aktuelle Ausgabe der Sprechstunde mit Volker Sassenberg (im Weiteren “VS”) genannt.

Auf Nachfrage des Users “cthulhu” zu noch geplanten GB-VÖs äußert sich VS wie folgt:

Ich gehe davon aus, dass dieses Jahr bis zu vier Folgen erscheinen werden, allerdings gibt es bislang seitens der Firma Universal noch keinen Auftrag für weitere Gabriel Burns-Folgen.

Bisher sind dieses Jahr die Indienfolgen erschienen (34 & 35), welche sich fast passgenau im Ryhthmus seit 2008 bewegen. Dementsprechend wäre die nächste VÖ dann Ende November / Anfang Dezember 2010 in Aussicht. Hiermit würde sich GB wie bekannt im “normalen” folgenreichen Rythmus befinden, der “bis zu” 4 Folgen pro Jahr versprechen sollte. Aber mal ehrlich: das klingt seit Jahren (!) eher nach dem DSL Marketing Nepp alá “bis zu 16.000 kBit/s”. Dass “bis zu” 4 Folgen pro Jahr erscheinen, kann automatisch auch bedeuten, dass nur eine oder zwei, oder eben die üblichen 3  Folgen pro Jahr erscheinen.

Nun gut, da steht also der Kunde mit seinen Wünschen und Erwartungen und ist am Ende der Konsumkette der Leidtragende. Wer nachfolgendes Zitat von VS nimmt und eins und eins zusammenzählen kann, mag sich zudem bzgl. des “Zustandes” der Produktionsfirma sein übriges denken:

So, wie wir aktuell aufgestellt sind, können wir allerdings nicht links und rechts denken. Wir warten mal die Zukunft ab…

Der große Druck, der auf der Serie liegt begründet sich mit den Augen eines Außenstehenden wohl darauf, dass eine Serie die jahrelang mit 6 Folgen pro Jahr auf hohem, wenn nicht gar auf höchstem Niveau funktionierte, auch mit 3 Folgen pro Jahr mit offensichtlich abgespecktem (finanziellen?) Background funktionieren muss, ohne dass die Qualität leidet. Eine Serie, die eine epische Handlung aufweist, wo nicht jede Folge in sich geschlossen ist, sondern die davon lebt, dass sie kontinuierlich erzählt wird, eine solche Serie geht doch den Bach herunter, wenn man bei genau diesen Kriterien den Rotstift ansetzt. Dass hier Produktionsfirma und Label (Verwerter) zwei Paar Schuhe sind, ist mir als Kritiker dieser Situation vollends klar. Das Geld für neue Folgen kommt schließlich vom Verwerter, der neue Folgen in Auftrag gibt, die gleichzeitig in der Produktionsfirma in den Startlöchern stehen.

GB ist mit Folgenreich bei einem riesigen Unternehmen untergekommen. Bei den “Specials” (vorwiegend aus dem Jahr 2005) gewinnt man den Eindruck, als wollte man GB damals mit großer Medienwirksamkeit in der Öffentlichkeit bekannt machen. Zu Recht, aus meiner Sicht, denn dieses außergewöhnlich gute Hörspiel verdient meiner Meinung nach auch eine Menge Aufmerksamkeit.

5 Jahre und knapp 30 Folgen später ist aus der riesigen PR-Maschinerie ein dahin dümpelnder Webauftritt und ein labelverwalteter Facebookaccount geworden, der sage und schreibe 723 Leuten “gefällt”. PR geht jetzt billig, vor allem übers Internet. Die letzten, inhaltsbezogenen News des Labels zur Serie dort sind vom 14. Juni 2010. Darauf folgte ein Videohinweis auf ein Interview mit VS bei “Die Hörspiel 2010″, sowie ein Link zu einem eher nichts sagenden Artikel aus dem Bonner Generalanzeiger. Wer dann zufällig auf der Seite “Specials” (s.o.) hängenbleibt, der muss feststellen, dass sich Pressetechnisch seitens des Labels zwischen April 2008 und September 2010 rein gar nichts getan hat, was veröffentlichungswert war. Öffentlich wirksame PR zur Ankurbelung der Verkaufszahlen sieht in meinen (naiven?) Augen irgendwie anders aus. Wo bleiben Podcasts, Gewinnspiele, Aktionen? Der Folgenreiche Shoplink verweist statt zum Internetshoppingportal amazon.de lieber zu einer beliebigen, undefinierten “Bravado” Hauptseite. Eine Menge solcher PR Aktionen gehen eher von der GB Fanpage (experiement-stille.de) aus. Doch nicht jeder Konsument ist dort organisiert.

Schon Anfang September hieß es im Experiment-Stille Forum (via User “Brig”):

Hach je, nun wird´s wirklich Zeit für eine neue Folge!! Meinen fahlen Freunden geht der Diskussionsstoff aus

Dieser Satz beschreibt genau das Grundproblem. Will man ein Produkt erfolgreich verkaufen, muss es im Gespräch sein und bleiben. Genau das passiert mit GB seit Jahren nicht mehr. Bedenklich, wie ich finde.

Man kann den Machern von GB und der Marke nur jegliche Energie wünschen, sich aus den “Fängen” dieses “Labels” zu befreien, damit vielleicht irgendwann mal bessere Zeiten anbrechen.

Gabriel Burns – oder die ewige Suche nach dem Rhythmus.

Der Weg ist das Ziel.

Das galt schon bei LOST so und dies tut es auch bei der Hörspielserie Gabriel Burns. Allerdings ist dieser Weg eben dieser einen, ziemlich erfolgreichen Hörspielserie seit einigen Jahren von “folgenreichen” Beschwernissen gezeichnet. Seit 2007 vetreibt die Berliner Universaltochter “Folgenreich” namhafte Hörspielserien wie Star Wars, Gabriel Burns oder neuerdings Dorian Hunter.

Bereits viele Jahre länger sind im Netz Fans von Gabriel Burns (GB) unter Experiment Stille (ES) organisiert. ES gilt als DIE Anlaufstelle in Sachen Fandasein von GB. Und auch hier blieb nicht unbemerkt, wie sich seit knapp 3 Jahren der Folgenoutput massiv reduziert, nämlich halbiert hat. Und auch hier blieb, dank teilweise ungewohnt offener “ES-Sprechstunden” mit GB Produzent Volker Sassenberg, nicht verborgen, dass die Macher von GB (Decision Products) und “Folgenreich” sich gar nicht so einig sind, wenn es um das liebe Geld geht. Ganz offen sprach Sassenberg darüber, dass ein erhöhter Output unter den momentanen “Bedingungen” den finanziellen Untergang seiner Firma darstellen würde. Man sei beiderseitig nicht glücklich mit der Situation. Weit vorab hatte Folgenreich erklärt, man wolle den Output von 3×2 Folgen alle 4 Monate auf 4×1 Folge alle 3 Monate (sprich: 4 Folgen in 12 Monaten) verändern – das war 2007.

Seit dem sind viele Threads eröffnet und geschlossen worden, die sich mit diesem Thema befassen, einzig der Thread “Mehr Burns für’s Volk!” blieb. In unzähligen Kommentare ist hier nachzulesen, wie sauer den Fans der Serie die jahrelange Zesur aufstößt.

Warum jetzt wieder Aufregung?

Im April erschien die 34. Folge von GB, eine Cliffhanger Folge mit offenem Ende, rein inhaltlich 100% vergleichbar mit den bisherigen Doppelfolgen. Die konnte und wollte auch “Folgenreich” nicht unkommentiert lassen und lies auf deren Internetseite folgendes verlauten:

“Folge 35 ist bereits kurz vor Fertigstellung und wird nicht allzu lange auf sich warten lassen. Einen genauen Veröffentlichungstermin können wir hoffentlich schon in wenigen Tagen mitteilen.”

Das kleine Wörtchen “hoffentlich” durchschnitt den beinharten GB Fans nach zwei Wochen  den eh schon sehr dünnen Geduldsfaden. Als heute dann “endlich” der 23.07.2010 als Erscheinungstermin “offenbahrt” wurde, fühlten sich nicht wenige Fans für dumm verkauft, wie man im offiziellen GB Facebookprofil prima nachlesen kann. “Folgenreich” kommentierte inzwischen:

Tatsächlich, und auch das ist richtig, wird aber der “geplante” Rhythmus der Veröffentlichungen bei Gabriel Burns eingehalten.

…sowie:

Die Studioproduktion ist mittlerweile beendet und es wird fieberhaft daran gearbeitet, dass die Folge rechtzeitig erscheinen kann.

Eine deutlichere Steilvorlage für halbgare Spekulationen kann man kaum liefern, macht doch dieser Kommentar den Eindruck, als versuche man tatsächlich einer Produktionsfirma zu unterstellen, die hätte es ordentlich schwer eine Folge rechtszeitig fertig zubekommen (man beachte: diese Produktionsfirma hat bis 2007 6 statt 3 Folgen pro Jahr produziert). Nebenbei bemerkt ging die Hassliebe zwischen Decision und “Folgenreich” inzwischen so weit, dass die zweite Decision Serie “Abseits der Wege (AdW)” (Genre: Fantasy) kurzerhand nach 6 Folgen ihr “folgenreiches” Ende fand, zuweilen verstrichen zwischen deren Veröffentlichungen bis zu 12 Monate. AdW soll allerdings in naher Zukunft bei einem anderen Verwerter durch Decision fortgeführt werden.

GB hingegen scheint trotz aller Widrigkeiten nicht totzukriegen zu sein. Liegt es am immer fortwährenden Hang der Fans zur ewigen und düsteren Story oder nicht zuletzt an der Hoffnung auf bessere Zeiten?! Eines ist unbestritten: auch wenn es den einen oder anderen Storyhänger gab, ist die Produktion von GB einzigartig. Mit modernster Technik, berühmten Sprechern und einem ganzen Orchester zaubern die Leute von Decision ein ums andere Mal eine hollywoodreife Soundkulisse. Dafür gab es schon den ein oder anderen Hörspielpreis.

Den gab es auch für die renomierte Hörspielserie “Edgar Allan Poe” (EAP), seit 2003 mit Ulrich Pleitgen und Iris Berben in den Hauptrollen, welche von Lübbe Audio mit einem Paukenschlag im Frühling diesen Jahres nach 37 Folgen mitten im Handlungsstrang eingestellt wurde. Zu gering seien die Absatzzahlen gewesen, zu groß der wirtschaftliche Schaden durch Internetpiraterie. Die Produktionsfirma “Stil” um Simon Bertling hat lt. Lübbe keine weiteren Aufträge zur Produktion erhalten. Zuletzt erschienen hier ein mal im Jahr 4 Folgen.

Es geht wie immer nur um’s liebe Geld, Serien werden zu Produkten, zu Kalkulationsgrößen – der Hörer hat das Nachsehen. Dennoch muss auch der sich fragen, ob er nicht auch bereit wäre, für eine Hörspielfolge normale 15€ pro CD wie bei normalen Musikalben zu bezahlen, statt der üblichen 7 – 10€. Allerdings bleibt offen, ob solche Rechenexperimente wirklich jemals zünden, sind doch die Absatzzahlen kaum mit denen von Musik-CDs vergleichbar.

Bei vielen (längst nicht bei allen) Fans ist “Folgenreich” jedoch der schwarze Peter und Schuld an der aktuellen GB Situation. Wobei die Verantwortlichen auch nur das tun, was ihre Chefs ihnen vorgeben. Bei großen, internationalen Labels wie Universal spielen kleine “Marken” wie GB oder AdW kaum wirklich eine Rolle. Mit den gecasteten Britpopteenies von letzte Woche (letzten Monat, ach was weiß ich) lässt sich defacto zigtausend Mal mehr Geld verdienen, als mit der niveauvollen Mystery-Unterhaltung für Erwachsene.

Schade, aber das ist wohl die (wirtschaftliche) Realität im Hörspielbusiness.

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