Bloggen.
Ein Blog lebt von seinen Inhalten und vom Autor, der nach Möglichkeit regelmäßig neue Inhalte veröffentlicht, die – ebenfalls nach Möglichkeit – eine Vielzahl an Leser anzieht und bindet. Auf diese Weise kann man sogar Geld verdienen und versuchen davon zu leben. Es soll aber auch auf dieser Welt Menschen geben, welche einen “normalen” Job haben und eher in ihrer Freizeit über verschiedene oder, je na Gusto, spezielle Dinge bloggen. So wie bei mir und wie bei einem Kumpel von mir.
Nur, über den wurde sich jetzt “lustig gemacht”. Und zwar im beruflichen Umfeld. To make a long story short: er hat sich weder im Ton vergriffen, noch irgendwas aus meiner Sicht außergewöhnliches verblogt. Er schrieb über seine Hobbies und seine Freizeit.
Ich habe dieses Problem nur vage mitbekommen, doch ich habe seinen Blog interessiert und aufmerksam gelesen und ausdrücklich nichts kritisierbares gefunden. Mir tun diese “Kollegen” einfach nur leid, die sich selbst so tief sinken lassen, dass sich sich im Grunde genommen genötigt sehen über Belanglosigkeiten herzuziehen. Das Blog wurde mittlerweile von ihm gelöscht. Ihn selbst hat es sehr getoffen, er erwägt nur noch unter einem Pseudonym als Blogger aktiv zu sein.
Ich selbst veröffentliche Eintrage bei bisher sowohl bei Twitter als auch bei Facebook, wo vor allem Arbeitskollegen auch Zugriff darauf haben. Überhaupt entstand die Idee für dieses Blog auf Grund einer Gerüchteküche im Jahr 2010. Aus der Idee wurde ein Gefühl, empfundene Schieflagen aller Art irgendwie zu verarbeiten. Das stellte sich als recht zeitintensiv heraus, knapp 40 Artikel in 1,5 Jahren sind nicht gerade eine Höchstleistung. Mittlerweile blogge ich nur noch, wenn ich wirklich Lust dazu habe, denn das Schreiben von ausgedehnten Texten stellt für mich dann doch eine enorme geistige Arbeit dar, die mir nicht mehr so leicht vorn der Hand geht.
Dennoch blogge ich gerade kritische Dinge, wenn, dann oft und gerne. Ich nehme dabei auch keine Rücksicht darauf, ob evtl. Arbeitskollegen mitlesen könnten, denn ich bin fest davon überzeugt keinen offensiven Content mit berufschädigendem Inhalt zu verbreiten.
Was andere in sozialen Netzwerken hingegen verbreiten, sollte da schon eher Anlass zur Schmutzeln geben, als die privaten Hobbyblogbeiträge meines Kumpels. Da wird bei Facebook zu jeder Tages und Nachtzeit Pupsi-Castle gespielt, Gruppennamen machen die Runde (“Nichts reimt sich auf Uschi”) und “Gefällt mir” beim “WAHNSINN: Mutti macht’s mit jedem”-Link von myvideo geklickt. Und du sitzt da und denkst dir: passt schon wie Arsch auf Eimer. Da wird wieder mal das Bild im Club getagged – das, wo man nicht ganz sooo gut bei drein schaut. Und oh Wunder, wer meint Facebookfotos könnten nur die sehen, die meine Freunde sind, der irrt. Wenn Mimi Krause abermals von der Freundin im Suffschuppen lokalisiert wird, denkst du dir deinen Teil. Gott sei Dank hab ich Kollegen, die bis tief in die Nacht Pupsi-Castle spielen können und am nächsten Tag trotzdem fit sind (wie auch immer).
Überhaupt ist doch eigentlich nichts schöner, als bei der einen oder anderen Stautsmeldung zu denken: “Ja, so naiv warste auch mal. Vor 10 Jahren.” Damals hieß der Kram noch Radio Bremen Chat und du hattest ein Pseudonym. Meistens hattest du dann noch eine soziale Phobie und Monitorbräune nebst Gesichtselfmeter. Das einzige, wo du dich hast “taggen” lassen war beim “CT”, dem “Chattertreffen”, wo du dich über “CS” (“Cybersex”) und die ganzen anderen Leichen vor Ort totgelacht hast.
Heute im Facebook Chat bist du zwar dank Messenger ständig online, aber keine Sau schreibt dich an, weil 90% deiner Facebookfreunde entweder Kollegen oder Schulfreunde aus der Steinzeit sind, die du zwar für deine dreistellige Freundeszahl brauchst (darunter bedeutet entweder Mauerblümchen oder generell uncool); aber in deiner Freizeit willst du eigentlich nur deine Ruhe vom ganzen Bekanntenkreisfortsatz und genüsslich peinliche Sachen anderer stalken. Wenn du Facebook so verstehst, warum nutzt du es dann?
Der Begriff “Netzwerken” – Netzwerke schaffen zu anderen und davon sinnvoll (ggf beiderseitig) profitieren, das war zwar bei Gründung nicht der Grundgedanke von Facebook, aber das ist – genauso wie private oder Gewerbliche Blogs – eine wichtige Möglichkeit. Wenn man sich den K(r)ampf abschafft sein ganz privates (!) Privatleben auszubreiten und dadurch anderen Gelegenheit zu geben darüber herzuziehen, dann kann man entdecken, wie spannend und ungefährlich es sein kann diese Netzwerke zu nutzen.